„Meine Sprache, das bin ich, ich will mich nicht verbiegen.“ Diesen Satz höre ich oft. Oder: „Mit dieser Sprache bin ich schließlich weit gekommen.“ Es gibt wenige Dinge, deren Veränderung mehr Widerstand auslöst als Sprache. Weil sie etwas Persönliches ist. Sie ist Herkunft, Zugehörigkeit, Biographie. Das zeigt sich schon daran, wie sensibel Menschen reagieren, wenn jemand ihren Dialekt kommentiert oder ihre Ausdrucksweise korrigiert. Kaum etwas wird schneller als persönlicher Angriff empfunden.
Viele Menschen hängen sehr an ihrer Sprache, weil sie eng mit ihrem Leben verbunden ist – mit Familie, Milieu, Aufstieg, Erfahrungen. Deswegen fühlt sich eine Veränderung der Sprache oft an wie ein Angriff auf die eigene Identität.
Aber Sprache ist kein Denkmal. Sie ist etwas Lebendiges. Sie entwickelt sich. Wer begonnen hat, neue Formulierungen bewusst zu verwenden, kennt das Phänomen: Was zunächst ungewohnt wirkt, wird nach kurzer Zeit selbstverständlich. Der eigene Ausdruck erweitert sich.
Menschen in Top Positionen sind und bleiben im Lernmodus. Auch sprachlich.
Eine gute sprachliche (Weiter-)Entwicklung macht Menschen nicht künstlicher, sondern einfach vielseitiger – sie haben mehr Möglichkeiten, sich auszudrücken und verstanden zu werden.
