Sprachmuster sind immer auch Ausdruck der eigenen Biographie. Die Beziehung zu den Eltern, Schicksalsschläge, Geschwisterreihenfolge … Sprachmuster entstehen lange bevor jemand das C-Level erreicht. Im Laufe der Karriere werden sie nur professioneller. In kritischen Momenten werden sie sichtbar.
Da ist der Top-Manager, der jede Antwort mit beeindruckender Präzision ausformuliert. Inhaltlich ist daran nichts auszusetzen. Und doch verliert er mit jedem Detail an Klarheit. Im Coaching wird deutlich, was dahinterliegt: Er hat früh gelernt, Aufmerksamkeit über intellektuelle Überlegenheit zu gewinnen. Unter Druck beginnt er zu erklären.
Solche Muster begegnen mir häufig. Da ist die Bereichsleiterin, die ihre Position mit einem „vielleicht“ abschwächt, obwohl sie die Klarste im Raum ist, weil zu Hause lautere Persönlichkeiten dominierten.
Da ist der Vorstand, der konsequent auf Distanz bleibt, weil Nähe in seiner Geschichte nie ein sicherer Ort war.
Da ist der Geschäftsführer, der als jüngstes Geschwisterkind gelernt hat, sich über Humor Gehör zu verschaffen. Heute löst er jede Spannung humorig auf und verpasst dadurch genau den Augenblick, in dem eine Ansage gefragt wäre.
Das Problem ist nicht die Biographie. Das Problem entsteht, wenn sie unbemerkt die Sprache übernimmt.
Im Boardroom sitzt nie nur eine Person. Es sitzt immer auch ihre Geschichte mit am Tisch.
