Sie sind Leader – kein Micro-Manager!

Die Corona-Pandemie hat die Welt immer noch im Griff, auch wenn in diesen Tagen viele Bundesländer die Einschränkungen des alltäglichen Lebens wieder lockern. Wie wir alle, habe auch ich meinen Weg gefunden, mit der neuen und herausfordernden Situation umzugehen.

Es geht immer wieder darum, wie man mit der Situation umgeht und welche Möglichkeiten sich trotz allem ergeben können. “Aus der Not geboren” wäre hier vielleicht der passende Ausdruck, mir persönlich gefällt diese Aussage von Willy Meurer besser:

„Die glücklichsten Menschen haben nicht notwendigerweise das Beste von Allem, sie machen nur das Beste aus Allem, was sie haben“

Ich beobachte gerade, wie die Situation um Corona herum eines ganz besonders zeigt – wie verletzlich wir alle sind. Verstanden als etwas fundamental Menschliches. Wir kämpfen alle mit einer uns unbekannten Situation, die sehr plötzlich kam. Das kann man als Schicksalsschlag sehen – oder als echte Chance stärkeorientiert zu handeln.

Es ist nämlich sehr einfach in guten Zeiten zu führen, sein Business zu erweitern und vom Erfolg zu zehren. Die echte Herausforderung ist der Umgang in einer schwierigen Situation mit einer wichtigen Wahrheit: Dass dem Credo “Höher, schneller, weiter” Grenzen gesetzt sind. Grenzen, die sich jetzt schlagartig gezeigt und uns im Grunde schon vor Corona bewusst waren. Nur niemals so deutlich, wie jetzt.

Purpose ist wichtiger als Karriere

Der entschleunigte Alltag schärft oft den Blick, verändert Perspektiven und erweitert sie. Wir merken wieder, worauf es wirklich ankommt und konzentrieren uns auf das Wesentliche. Stellen fest, dass es wichtig ist, wie wir unsere Mitarbeiter führen müssen, damit sie den Sinn darin sehen, gerade jetzt an einem Strang zu ziehen. Ideen, Innovation und Durchhaltevermögen in ein angeschlagenes Unternehmen während dieser Krise zu investieren. Und dies auch gerne auch danach tun werden.

Denn eines ist klar: Corona ist irgendwann vorbei und es handelt sich trotz aller negativen Folgen, der kommenden Rezension und auch leider das Aus für einige Unternehmen nicht um das Ende der Welt. Eben das gilt es jetzt zu vermitteln und Corona als Chance zu nutzen und nicht als die Zeit die wirtschaftlichen Wunden zu lecken.

Ganz besonders junge Menschen möchten zum Beispiel nicht nur für die eigene Karriere arbeiten, sondern einen aktiven Teil zum Unternehmen und letztlich einen Beitrag zur Gesellschaft leisten. “Let’s make the world a better place” ist bei der jungen Generation nicht nur eine Plattitüde, sondern will mit echten flachen Hierarchien ermöglicht werden.

Wenn Sie Ihren Mitarbeitern vertrauen, werden Sie erstaunt sein, wie sich Ihre Firmenkultur, ihr Erscheinungsbild nach außen und ihr Corporate Purpose verändert. Denn: Höher, schneller, weiter – also unendliches Wachstum ist nicht nur unmöglich. Es steht im Gegensatz zu echtem Purpose – der Verwirklichung persönlicher Ziele, die durchaus auch beruflicher Natur sein können und oft sind.

Kommunikation ist nur mit Empathie erfolgreich

Ich habe in dieser noch anhaltenden, quarantäne-ähnlichen Zeit eine Menge erlebt, viele neue Dinge gelernt und online mit zahlreichen Führungspersönlichkeiten gesprochen. Sie alle haben auch unabhängig von meinen Workshops erste Schritte getan. Schritte in Richtung eines Führungsstils, der auf Vertrauen und nicht auf Kontrolle beruht. Kommunikation auf Augenhöhe und echter Dialog. Der funktioniert auch virtuell per Videochat und kann in diesen Zeiten geübt werden.

Dieses für einige Unternehmen neue Kommunikationsmittel ist zwar kein Hexenwerk, aber es gilt sprachliche Hürden zu überwinden und sich mehr auf die Mitarbeiter einzulassen. Keiner erwartet von ihnen, dass Sie jetzt zum Psychiater werden, aber mehr Emotionalität ist besonders jetzt wichtig. Fragen Sie ruhig nach, wie sich Ihre Mitarbeiter gerade fühlen, was ihnen schwer fällt und was sich vielleicht ändern lässt. Sie werden merken, dass sich so die oft zitierten flachen Hierarchien nicht nur auf der Stellenausschreibungen wiederfinden – sondern zum Bestandteil Ihrer Firmenkultur werden können und müssen.

Wenn Ihnen Ihre Mitarbeiter nicht offen sagen können, wo es “suboptimal” läuft, werden sie Ihnen auch nicht sagen, was wirklich gut läuft. Und in einer komplexen und globalen Arbeitswelt sind Sie auf eben diesen Austausch angewiesen. Denn seien Sie mal ehrlich: Haben Sie bemerkt, wie wenig agil und schnell auf den Markt reagierend Ihr Unternehmen ist, wenn Sie jeden einzelnen Prozess verwalten und genehmigen wollen? Sie sind Leader – kein Micro-Manager! Also vertrauen Sie Ihren Mitarbeitern und bauen Sie dieses Vertrauen mit echtem Dialog auf!

Corona beschleunigt den Wandel – digital und analog

Nutzen Sie also Corona als Chance. Denn das, was Sie in zahlreichen Fachmagazinen lesen – der Unternehmenskulturwandel, die Innovationsgeschwindigkeit, Purpose – all diese Dinge erleben in diesen Zeiten eine Beschleunigung, die vermutlich sonst noch mehrere Jahre gebraucht hätte. Jetzt können Sie diesen plötzlichen Change nutzen, um sich entweder zu verstecken und – passiv – auf das Ende der Pandemie zu warten. Oder aktiv an der Kommunikation, dem Change Management und all den Veränderungen zu arbeiten, die in einigen Jahren sowieso gekommen wären. Ich hoffe, Sie entscheiden sich für zweiteres und lassen mir einen Kommentar unter diesem Artikel, was für Sie die größte Herausforderung ist.

Bleiben Sie gesund, positiv und handlungsstark.

Herzlichst,

Ihre Friederike von Mirbach