Performance findet JETZT statt

Wenn ich an meine Schauspielausbildung und meine Zeit auf der Bühne denke, ist ein Gefühl sofort präsent: Präsenz. Präsenz auf der Bühne ist essenziell, um eine gute Darbietung abzuliefern. Die bloße Anwesenheit genügt nicht. Warum erzähle ich Ihnen heute davon? Weil es sich im Business ganz genauso verhält.

Bleiben wir also für diesen Beitrag bei der Analogie des Schauspiels, denn es hat mich vieles über Präsenz gelehrt; zum Beispiel auf Knopfdruck präsent zu sein, um die bestmögliche Performance abzuliefern. Genau diese Prinzipien und Ansätze gebe ich auch in meinen Workshops und Coachings weiter.

Gute Performance braucht Präsenz

Ich erinnere mich an meine Anfangszeit bei einer Probe im Hamburger Schauspielhaus. Ich werde nie vergessen, wie eine meiner damaligen Lehrerinnen und Weltklasse-Schauspielerin Monica Bleibtreu mir sagte: “Friederike, ich glaube Dir nicht!”

Mein Körper hatte mich verraten, ich tat nur so, mein Kopf war völlig woanders. Da begriff ich: Es geht nicht darum sich zu verstellen. Du musst es in dem Moment wirklich sein: die verzweifelte Maria Stuart, das verrückte Sams – oder die kraftvolle Führungskraft.

Wenn Du Deine Rolle nicht im Hier und Jetzt einnimmst, glaubt Dir keiner.

Oder wie Goethe sagte: So fühlt man Absicht und man ist verstimmt. Präsent zu sein, ist keine Option, keine Kür, keine Kirsche auf der Torte, sondern das täglich Brot – der Vorhang geht auf und es gilt: Performance findet JETZT statt! Die Bühne ist dabei für SchauspielerInnen eine wortwörtliche. Sie existiert aber für jeden einzelnen von uns bei der Arbeit, wenn wir Performance abrufen wollen oder müssen. Wie aber wird man präsenter?

Eine Lehre des Schauspiels, die ich meinen Coachees lehre, heißt: Kopf und Körper bilden eine Einheit – sie sind immer im Wechselspiel. Selbst bei Auftritten, die man schon über hundertmal gemacht hat – bei “Standardterminen” – bereiten sich erfolgreiche Menschen und Führungskräfte stets vor. Auch mental – denn sie wissen: Ihre Gedanken drücken sich körpersprachlich aus! Der Körper ist ihr größter Schwätzer!

Routine erzeugt Langeweile

Jeder Abend, jedes Publikum ist anders. Manchmal leicht zu begeistern, manchmal teilnahmslos und still. Da ist ständige Prüfung und Anpassung der eigenen Haltung ein Muss. Das verstehe ich unter Interaktion, denn ich reagiere auf andere, wie sie auch unweigerlich auf mich reagieren.

Diese Interaktion findet permanent statt, verbal, nonverbal und oft unbewusst. Wer lieber bei seiner Routine bleibt, es sich in seiner gewohnten Ecke gemütlich macht und sich immer wiederholt, fängt an sich selbst zu langweilen. Und langweilt automatisch auch andere. Wer gelangweilt ist, ist mit den Gedanken nicht da, er liefert keine überzeugende Leistung ab und überträgt das. Und wenn Sie andere langweilen, sind auch die mit dem Kopf woanders. Vielleicht nicht sichtbar – aber deutlich spürbar.

Wenn Sie im abgesicherten Modus unterwegs sind, wirken Sie gebremst. Wenn Sie präsent im kraftvollen Modus unterwegs sind, wirken Sie kraftvoll präsent.

Die Mischung aus Routine und Wagnis

Seien Sie also nicht zu abgesichert unterwegs, sondern beweisen Sie immer wieder Mut. Im Moment sein. Agil sein. Improvisieren. Auch das kann man mit Erfolg nachhaltig sehr gut trainieren, wie ich selbst Jahre nach gegebenen Coachings immer wieder von den Teilnehmern höre.

Mit Mut immer wieder ein Stück raus aus der Komfortzone – da beginnt Ihr Erfolg. Und ja – da kann auch mal was schiefgehen, das liegt in der Natur der Sache. Aber genau hier fängt echtes Lernen an. “An Fehlern wächst man” oder wie Dietrich Bonhoeffer sagte:

“Den größten Fehler, den man im Leben machen kann, ist, immer Angst zu haben, einen Fehler zu machen.”

Machen Sie aus Lampenfieber eine Stärke

Ich werde in diesem Zusammenhang fast immer nach Lampenfieber gefragt. “Haben Sie noch Lampenfieber? Wie gehe ich mit Lampenfieber um?” Ja, auch ich habe noch Lampenfieber – und das ist gut so. Lampenfieber ist für mich nicht die Sorge, Fehler zu machen. Lampenfieber heißt für mich: Spannung wird aufgebaut, im Körper und im Geist. Ein unterbewusstes Warm-Up, das mir sagt, dass das gerade wichtig ist. Dass ich durch meinen Auftritt etwas bewirken und echten Wert schaffen will. Ergebnisse produzieren will. Ziele erreichen.

Daher mein Rat: Auf keinen Fall diese Unruhe wegdrücken, denn dann beherrscht sie Sie. Nutzen Sie Ihr Lampenfieber stattdessen positiv. Da kann ich Ihnen wunderbare Tipps geben. Wenn Schauspieler kein Lampenfieber verspüren, dann klingeln bei ihnen alle Alarmglocken. Denn dann denken und fühlen sie sich zu sicher. Das kostet Präsenz und die Gefahr abzuspulen ist groß. Die Gefahr, zu langweilen.

Die Kunst ist es, zu versuchen, sich selbst zu überraschen.

Martin Wuttke, einer meiner Lieblingsschauspieler beschreibt sehr treffend: “Vielleicht ist das vergleichbar mit einem Rennfahrer, der schon 250 Mal über den Nürburgring gefahren ist. Er kennt die Kurven ganz genau, und er weiß schon, wie schnell er durch die nächste Kurve fahren kann.”

Bewahren Sie Ihren Spaß an der Sache

“Aber das Spiel ist, dass man trotzdem immer versucht, die schnellste Runde zu fahren. Dazu gehört auch die Lust daran, in eine Kurve schneller reinzufahren oder sie einfach anders anzufahren, als bei der letzten Runde. Obwohl man genau weiß, sie ist extrem eng, schaut man, ob das funktioniert oder nicht funktioniert: Und manchmal fliegt man auch raus aus der Kurve. Aber lernt dabei immens.

Genau darum geht es eigentlich: eine Mischung aus Kenntnis und auch Spiellust. Also in großer Kenntnis immer wieder das Neue versuchen. Und wenn man keine Lust hat, das Risiko einzugehen und aus der Kurve raus zu fliegen, dann ist das eben eine Scheiß Vorstellung.”

Großartige Schauspieler haben Ehrfurcht vor jedem einzelnen Auftritt. Sie wissen, dass nur ein “Mü” zwischen einer präsenten, kraftvollen Performance und einer ganz netten liegt und geben deshalb immer ihr Bestes. Meine besten Rollen waren die, vor denen ich den größten Respekt hatte. Und Ihre sollten es auch sein!

Herzlichst,

Ihre Friederike von Mirbach